Verlegung am 17. Februar 2018

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Stadtarchivar Oliver Fieg informiert in der Bahnhofstraße über die Familien Bakofen und Kuhn.

Am 17. Februar 2018 verlegte Gunter Demnig in Rastatt weitere Stolpersteine zum Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus. Nachdem letztes Jahr vor allem im Dörfel Stolpersteine verlegt worden sind, werden dieses Jahr Stolpersteine zwischen der Herrenstraße und dem Bahnhof verlegt.

Beginn der Verlegung war um 11 Uhr in der Herrenstraße 2 am Wohnort des Jacques Dienstag, der dort, nachdem er seine Wohnung in der Bahnhofstraße 44 verlassen musste, Aufnahme bei der Familie Klumpp gefunden hat. Jacques Dienstag, der Geschäftsführer des Kaufhauses Knopf in der Kaiserstraße (des späteren KD) gewesen war, wurde 1940 nach Gurs in den Pyrenäen deportiert und 1942 in Ausschwitz ermordet. Bei der Verlegung war Frau Prina-Klumpp anwesend, die noch persönliche Erinnerungen an Jacques Dienstag hat. Die 1925 geborene Frau war sehr erfreut, dass vor ihrem elterlichen Haus an ihren früheren Untermieter erinnert wird. Dienstag sei ein sehr ruhiger Mann gewesen, erinnerte sich Frau Prina-Klumpp. Da er als Jude nicht in ein Gasthaus gehen durfte, holte ihm die Tochter des Hauses jeden Tag Essen aus dem Hotel Schwert.

Zwei Stolpersteine wurden für Mitglieder der Rastatter Familien Bakofen und Kuhn verlegt, die in der Rauentalerstraße eine Getreidehandlung betrieben haben. Henriette Bakofen war die Tochter des aus Böhmen stammenden Josef Bakofen, der nach seiner Militärzeit die Rastatterin Elise Maier geheiratet hatte. Henriette heiratete 1886 den aus der Pfalz stammenden Kaufmann Bernhard Kuhn, der als Teilhaber in die Getreidehandlung eintrat. Nachdem sich Josef Bakofen aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, wurde dieses von Bernhard Kuhn und Emil Bakofen, dem 1877 geborenen jüngsten Sohn des Josef Bakofen, weitergeführt. Emil heiratete die aus Eschwege stammende Hedwig Katzenstein. Die Familien Bakofen und Kuhn waren im gesellschaftlichen Leben der Stadt sehr präsent. Henriette Kuhn stellte gemeinsam mit anderen Frauen 1905 einen Antrag, in der städtischen Turnhalle am Rohrersteg, Kinderturnen veranstalten zu dürfen. Emil Bakofen war Mitglied der PV Teutonia und begründete 1911 den Volksbildungsverein mit.

Nachdem die beiden Männer in den 30er Jahren verstorben sind, führten die beiden Witwen, Henriette Kuhn und Hedwig Bakofen, die Firma weiter. Bedingt durch die nationalsozialistischen Boykottmaßnahmen und wirtschaftlichen Belastungen mussten sie die Firma und das Magazingebäude in der Rauentalerstraße 1939 unter Wert veräußern. Das Gebäude gelangte so in den Besitz des NS-Fliegerkorps. Beide Frauen mussten daher Rastatt verlassen und fanden Unterkunft bei Verwandten in Mannheim und Berlin. Henriette Kuhn wird 1940 aus Mannheim nach Gurs deportiert und stirbt 1941 in Rivesaltes. Hedwig Bakofen wird 1943 aus Berlin nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet. An den letzten Rastatter Wohnsitzen der beiden Frauen in der Bahnhofstraße 7 und Karlstraße 4 werden zu ihrem Andenken Stolpersteine verlegt.

Weitere Stolpersteine werden in der Roonstraße für Max Levy und Henriette Lindner sowie in der Steinmetzstraße für Bertold Dreyfuss verlegt. Über sie ist weniger bekannt. Max Levy und Henriette Lindner wurden 1940 nach Gürs deportiert. Henriette Lindner starb 1944 in Frankreich, das Schicksal des Max Levy ist dagegen nicht bekannt.  Bertold Dreyfuss wurde bereits 1938 in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Zu einem späteren Zeitpunkt konnte er nach Frankreich flüchten wurde, dort aber interniert, und 1942 nach Ausschwitz gebracht und ermordet.

 

Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen an der Verlegung der Stolpersteine am 17. Februar teilzunehmen. Treffpunkt ist 11 Uhr in der Herrenstraße 2. Der zweite Verlegungsort wird Bahnhofstraße 7 sein.