14 weitere Stolpersteine

Verlegeaktion am 19. Mai 2014 in der Augustavorstadt

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 Gunter Demnig bei der Arbeit vor dem Haus Am Grün 11. Fotos: Besinger

Bei hochsommerlichem Wetter war Gunter Demnig zum zweiten Mal nach Rastatt gekommen, um weitere 14 Stolpersteine zu verlegen. In Anwesenheit zahlreicher Interessenten, darunter auch viele Jugendliche, begann Demnig die vom städtischen Bauhof tatkräftig unterstützte Aktion vor dem Haus Am Grün 11. Hier verlegte er fünf Stolpersteine, die an die Familie Albert und Regina Maier sowie deren Tochter Helena Erna, ihren Mann Hermann Samuel sowie deren Sohn Herbert erinnern. Während das Ehepaar Maier und ihre Tochter die Deportation nach Gurs überlebte und (als einzige jüdische Familie) wieder nach Rastatt zurückkehrte, wurden Hermann Samuel und sein Sohn Herbert von den Nazis in den Konzentrationslagern Majdanek und Mauthausen ermordet. Bei der Verlegung waren auch Hildegard Neininger und Alice Ganz dabei, die dem Verein Stolpersteine Fotos von den Maiers übergaben, bei denen sie in den 50er Jahren zu Gast waren.

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 Die Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Maier/Samuel.

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 Vor dem Haus Am Grün 25.

Nächste Station war das Haus Am Grün 25, wo einst das Ehepaar Kuppenheimer wohnte. Salomon Kuppenheimer, der wie sein Vater Pferdehändler war, wurde 1940 nach Gurs verschleppt. Er starb im Alter von 79 Jahren 1944 im südfranzösischen Montélimar. Seiner Frau Karoline war bereits 1938 die Flucht in die Schweiz geglückt.

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 Die Gedenksteine für Salomon und Karoline Kuppenheimer. Die Lücken im Gehweg sind mit Quarzsand und Pflastersteinen ausgefüllt.

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 Vor dem Haus Augustastraße 48.

Beendet wurde die Aktion vor dem Haus Augustastraße 48. Dank der Routine Demnigs aus tausenden solcher Aktionen waren die 14 neuen Stolpersteine in rund einer Stunde verlegt. Gunter Demnig führt in seinem Lieferwagen (mit dem er seit Dezember 2013 schon 20.000 Kilometer zurückgelegt hat) alles mit, was er für die Verlegung benötigt: Da sind die Stolpersteine in der Reihenfolge gestapelt, wie sie verlegt werden (vor dem Termin in Rastatt war Demnig in Winnenden und Ludwigsburg, am Tag danach ging es nach Karlsruhe, Lahr und dann an den Bodensee). Außerdem führt er sämtliche Werkzeuge und Utensilien mit sich: Zement, verschiedene Sorten Sand und Pflastersteine in allen Formen, um die Lücken im Gehweg zu schließen.

Die Steine vor dem Haus Augustastraße 48 erinnern an Karl und Else Nachmann sowie deren fünf Töchter. Die älteste Tochter Rosel flüchtete bereits 1933 nach Frankreich, die zweite Tochter Gertrude emigrierte 1935 in die USA. Die drei jüngeren Töchter Edith, Alice und Grete flüchteten zusammen mit den Eltern 1937 nach Palästina.

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 Die Stolpersteine für die Familie Nachmann.

Nach der Verlegung der Stolpersteine ließen die Mitglieder des Vereins gemeinsam mit Gunter Demnig die Aktion bei einem Umtrunk auf dem Faneser Platz ausklingen. Nun wartet der Verein auf den zweiten Verlegetermin in diesem Jahr. Zwar sind zwei Termine pro Jahr zugesagt, aber das exakte Datum steht noch nicht fest. Kein Wunder bei einem so viel beschäftigten Mann wie Gunter Demnig. Im vergangenen Jahr, so der Künstler, der in Frechen bei Köln wohnt, war er an 235 Tagen bundesweit unterwegs zum Verlegen von Stolpersteinen.

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 Gunter Demnig (rechts) zusammen mit Stadtarchivar Oliver Fieg.