Pogrom-Gedenken am 10. 11. 2015

Mehr als 50 Menschen waren am Dienstagabend auf den Marktplatz gekommen, um bei der Gedenkfeier des Vereins Stolpersteine Rastatt an die Ereignisse vom November 1938 zu erinnern. Die Mitglieder des Vereins gestalteten mit Textbeiträgen eine eindrucksvolle Feierstunde. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Michael Kress (Gitarre).

In Vertretung des verhinderten Vorsitzenden Marcel Müller begrüßte Bernd Schlögl die Teilnehmer der Veranstaltung. Schlögl erinnerte daran, dass die schrecklichen Ereignisse in Rastatt vor 77 Jahren später als im übrigen Deutschland begannen. Am Vormittag des 10. November wurde die Synagoge in Brand gesteckt. Klaus Winterhoff trug ein Gedicht von Pastor Niemöller vor, das deutlich machte, dass auch aktuell Schweigen nicht die richtige Reaktion auf Rassismus und rechtsextreme Ausschreitungen ist. Gerhard Müller las ein Kapitel aus dem 1933 erschienenen „Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror“ vor, bevor Rainer Seitel die Rastatter Ausschreitungen vom 10. November 1938 schilderte.

Stadtarchivar Oliver Fieg stellte die Rastatter Familie Nachmann vor. An Karl Nachmann, seine Frau Elsa und die fünf Töchter erinnern sieben Stolpersteine auf dem Gehweg vor dem Haus Augustastraße 48. Die älteste Tochter Rosi emigrierte bereits 1933 nach Palästina, ihre Schwester Gertrud fand in den USA eine neue Heimat, während der Rest der Familie 1937 nach Palästina auswanderte. Fieg berichtete, dass er in diesem Jahr Besuch von Gertruds Enkelinnen hatte. Die beiden Frauen kamen mit ihren Familien nach Rastatt, um die Heimat ihrer Vorfahren zu sehen. Fieg führte sie über den jüdischen Friedhof, zeigte ihnen das Kantorenhaus und die Stolpersteine vor dem Nachmann-Haus in der Augustastraße. Die Enkelinnen pausten die Steine einzeln auf Papier ab, um sie ihrer inzwischen 100-jährigen Mutter Gertrud, genannt Trudy, zu übergeben.

Zum Abschluss der Gedenkfeier wurden die Namen der von Nazis ermordeten Juden verlesen, die Teilnehmer legten Schilder mit diesen Namen in die Mitte des Kreises aus Kerzen. Mit dem Geläut der Glocken von St. Alexander endete die Feierstunde.

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Klaus Winterhoff rezitiert ein Gedicht von Pastor Martin Niemöller

 

 

 

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Michael Kress untermalt die Gedenkstunde mit Gitarrenmusik